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Armutsbericht zu Weihnachten

23.12.2011 von admin.

 

Die Armut in Deutschland nimmt zu. Im Mittelalter sagte man, die Armut der Armen sei notwenig, damit die Reichen durch Mildtätigkeit Gutes tun können. Oder so ähnlich. Heute, gerade zu Weihnachten gedenken in unserer Gesellschaft manche voller Rührung der Armen, die ihnen ansonsten egal sind. Margalith sagt: :

„Eine Gesellschaft, in der die Bedürftigen ein Anrecht auf Unterstützung haben, ist grundsätzlich weniger entwürdigend als eine Gesellschaft, die auf Barmherzigkeit beruht“ (Margalith 1998, S. 276).

Matthias Heintz schreibt einen Kommentar zum aktuellen Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes.

“Der aktuelle Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes zeigt eines ganz deutlich: unser Wirtschaftssystem schafft es dauerhaft nicht, die Verarmung breiter Bevölkerungsschichten selbst in guten konjunkturellen Phasen zu vermindern. Das neoliberale Wirtschaftssystem hat sich seit langem in eklatanter Weise aus der gesellschaftlichen Gesamtverantwortung herausgezogen. Von dem produzierten Reichtum in dieser Gesellschaft profitieren offenbar nur wenige wohlhabende bis sehr wohlhabende Menschen.

Auch der Faktor Arbeit schützt erkennbar nicht vor Verarmung. Viele Familien geraten trotz vorhandener Arbeitsplätze beider Eltern in die Armut, weil das geringe Einkommen nicht ausreicht, ein angemessenes Versorgungssystem aufrechtzuerhalten. Den Preis für diese unsoziale und unverantwortliche Wirtschaftspolitik zahlen in erster Linie unsere Kinder. Sie geraten bzw. verharren in der Armutsspirale mit allen damit zusammenhängenden Aspekten zunehmender Ausgrenzung der Teilhabe an Gesundheit, Bildung, Kultur und Sozialem. Die negativen Konsequenzen dieser wachsenden Entwicklung werden immer offensichtlicher. Immer mehr Familien gelingt es nicht mehr, die alltäglichen Herausforderungen innerhalb dieses Systems angemessen zu bewältigen.Insbesondere im Hinblick auf unsere Kinder ist die Duldung dieser Entwicklung ein eklatanter Verstoß gegen deren Rechte, wie sie auch in der UN-Kinderrechtskonvention verankert sind. Staat und Gesellschaft sind hier zum Umdenken verpflichtet. Zum einen ist es unsere Pflicht, den grenzen- und gewissenlosen Ökonomen in ihrem die Demokratie zersetzenden Handeln Einhalt zu gebieten. Zum anderen müssen wir endlich Verantwortung übernehmen für die Folgen dieses hemmungslosen Wirtschaftssystems. In der Resolution der 1. Berliner Arbeitstagung des Unabhängigen Forums kritische Soziale Arbeit vom Juli 2011 heißt es unter anderem:

Soziale Arbeit muss hinreichend - aus Steuermitteln - finanziert werden.
Dies sollte angesichts der wachsenden Problemlagen vieler Menschen, die im Wesentlichen von der neoliberalen Sozial- und Wirtschaftspolitik des„entfesselten“ Kapitalismus in unserer Gesellschaft selber verursacht wurden, selbstverständlich sein.

Die Soziale Arbeit muss insbesondere im Hinblick auf den Schutz und die Verantwortung unseren Kindern gegenüber die Leistungssysteme im Hinblick auf Gesundheit, Bildung und Teilhabe am gesellschaftlichen Prozess gestärkt werden. Die Kinder- und Jugendhilfe muss sowohl in ihren Angeboten der individuellen Hilfe- und Unterstützungssysteme als auch in ihren sozialräumlichen Aufgaben gestärkt werden. Die Zeit ist überfällig, die Lüge von den fehlenden Finanzmitteln zu beenden und die Finanzströme so umzugestalten, dass das reichlich vorhandene Geld in unsere Kinder investiert wird, um deren Entwicklung nachhaltig zu sichern. Wer noch immer nicht verstehen will, was die Soziale Uhr geschlagen hat, betreibt eine verantwortungslose gesellschaftliche Brandstiftung.”

Matthias Heintz

(Sprecher des Bündnisses für die Kinder- und Jugendhilfe, Sprecher der AG KJHG und Rechtansprüche beim Fachbereich Kinder- und Jugendhilfe des DBSH, Ansprechpartner für die Freien Träger beim DBSH, Beauftragter des DBSH in der National Coalition)

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