Träger - sind sie unsere Bündnispartner?
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- Erstellt am Sonntag, 08. April 2012 19:48
- Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 12. August 2012 17:04
- Geschrieben von Mechthild
Sind die Träger der Sozialen Arbeit Bündnispartner im Kampf und Professionalisierung und Parteilichkeit?
Nicht selten erwarten auch kritische SozialarbeiterInnen Initiativen zur Gegenwehr und Solidarität von ihren Trägern, und sie meinen, aus dieser Ecke müsste doch endlich mal eine Initiative kommen, die derzeitigen Entwicklungen ethisch und fachlich infrage zu stellen.
Aber nicht allen Trägern kann man trauen, wenn es darum geht, unsere Interessen und die unserer KlientInnen zu vertreten.
Als Unternehmer - auch wenn sie es vielleicht gar nicht sein wollen - müssen sie den ökonomischen Prinzipien zur Erhaltung ihres Unternehmens am Markt folgen. Damit sind sie immer gezwungen entsprechende Zugeständnisse an die Verwaltung und Politik zu machen.
So schrieb mir vor kurzem ein eher kritischer Vertreter eines der Wohlfahrtsverbände folgende Worte:
"Als Verbände, als Träger von Einrichtungen befinden wir uns da tatsächlich auch in einer politischen Klemme. Als verbandliche Arbeitgeber und Auftraggeber werden wir und sind wir in Anpassungsprozesse und -leistungen hineingezwungen und müssen uns in der Rolle des Partners erweisen. Als Fachverband und politischer Akteur sehen wir Vieles sehr kritisch und können es nur schwer mittragen und müssen es skandalisieren. Wir haben "schwarze Schafe" im Verband, die in Leiharbeitsfirmen ausgliedern, was wir von der Bundesebene eben nur verbandsethisch anprangern können und das auch tun. Als Hartz IV auf den Weg gebracht wurde, war das für uns geradezu eine verbandliche Zerreißprobe. Unser Verband ist da nicht homogen in seiner Haltung."
Wenn das so ist, müsste man versuchen, die Wohlfahrtsverbände in ihren eigenen Widersprüchen aufzuscheuchen. Aber das ist gar nicht so einfach, denn die Machtverhältnisse in den Verbänden sprechen derzeit nicht für uns. Dass z.B. die AGJ in der aktuellen Auseinandersetzung um das KJHG signalisiert, dass sie keinen Handlungsbedarf sieht, zeigt deutlich, dass wir uns nicht auf die Wohlfahrtverbände verlassen können. Die Wohlfahrtsverbände reden nicht selten Wasser und trinken heimlich Wein. Man denke nur an die immer wieder geäußerten verbalen Beteuerungen für eine menschliche Soziale Arbeit auf der einen Seite und z.B. an die Tatsache, dass jede 5. Stelle in der Sozialen Arbeit eine Leiharbeitsstelle ist, die die Träger z.T. sogar selber eingerichtet haben - auf der anderen Seite.
Aus dieser Ecke können wir also eine wirkliche Unterstützung unserer Anliegen nicht unbedingt erwarten. Zumindest können wir uns nicht auf sie verlassen.
Natürlich muss man dabei zwischen den großen Wohlfahrtsverbänden und den kleinen freien Trägern unterscheiden, die möglicherweise sogar von MitarbeiterInnen selber gegründet wurden. Sie als kleine Freie Träger versuchen nicht selten, vorbehaltlos auf der Seite der KollegInnen und der Profession zu stehen. Aber dennoch: Sie haben wie alle Träger das Problem, in das System eingespannt und verwickelt zu sein.
Dennoch:
Alle Träger sind zwar durch die Vorgaben und Zumutungen der neosozialen Vorstellungen der Politik und Verwaltung eingeengt, aber es würde gehen: Sie könnten und müssten sich endlich entscheiden, auf welche Seite sie sich stellen wollen, müssten gemeinsam klipp und klar Stellung beziehen und sich weigern, das "Ökonomiiserungspiel" weiter mitzumachen. Wenn sie das ohne Tricks und Hintergedanken und wenn sie das alle zusammen täten - das wäre schon etwas und von der politischen Seite nicht vom Tisch zu wischen.
Klar, es wäre phantastisch, wenn sich AWO, Diakonie, Caritas, Paritätischer und Rotes Kreuz und andere zusammen schlössen und der Poltik ein deutliches "Stopp" entgegenschleudern würden. Aber dazu gehört Bereitschaft zu Solidarität und die Fähigkeit, gemeinsam zu handeln und vor allem der Mut dazu, mit der anderen Seite in einen offenen Konflikt einzutreten.
Wir freuen uns jedenfalls über jeden Träger, der dazu bereit ist und sich mit unserer Profesion und unseren Anliegen als professionelle Sozialarbeitende solidarisiert.







Kommentare
Wollen wir realistisch erreichbare Ziele anstreben, Gegenmacht mit Erfolgen für die Kolleginnen erlebbar machen, dann wird das nur möglich sein über Schnittstellens uche und Bündelung gemeinsamer Interessen auch mit den großen Sozialverbänden und den hunderten von freien Trägern, die dort organisiert sind. Eine Schnittstelle zu haben bedeutet nicht, seine eigene kritische Position aufzugeben.
In Bremen hat gerade ein "Bündnis 30% mehr Zukunft" für die offene Jugendarbeit serh eindrücklich vorgemacht, wie man/frau eine gute Bündnispolitik machen kann. GF´s von großen Trägern udnkleinen Trägern bis zu den Jugendlichen , alle sind sie dabei und die Widersprüche innerhalb der regierenden Politikerkaste lassen sich sogar auch noch nutzen.
So schrieb die Landesarbeitsge meinschaft der freien Wohlfahrtsverbä nde in Bremen und die Diakonie Bremen am 28.11.2012 auf ihrer WEB-Seite zu Alten und Behindertenbere ich:
“…Der legitime Wettbewerb der Anbieter von Pflegeleistunge n dürfe nicht länger über den Lohn, sondern müsse über die Qualität der Pflege ausgetragen werden”, sagt LAG- Vorstandssprech er Arnold Knigge…„Wir müssen die Arbeitsbelastun g in der Pflege ernst nehmen. Wir wollen keinen Wettbewerb über unterschiedlich e Tarife in der Bezahlung von Pflegekräften und schon gar kein Lohndumping. Sinnvoll sind einheitliche und angemessene Tarife, die den Ausbau von qualitätssicher nden Strukturen möglich machen." … „Wir benötigen dringend mehr Zeit für den eigentlichen Kern unserer Aufgaben, und dieser Kern ist die Pflege.“….“ Der betriebswirtsch aftliche Aufwand für bürokratische Auflagen sei in den vergangenen Jahren enorm gestiegen und von vielen Pflegeeinrichtu ngen kaum noch zu verkraften. Der derzeitige hohe Aufwand für Dokumentation und Statistik komme der Qualität nicht zugute, sondern behindere sie eher…”
Für uns Sozialarbeiter und SozialpädagogIn nen lassen sich diese Sätze – wie ich finde – eins zu eins übernehmen.
Die Träger bei ihren eigenen Widersprüchen zu packen ist doch gut. Selbstverständl ich sind Träger Janusköpfig, weil sie (von neoliberaler Politik auch so gewollt) zu sog. "Marktakteuren" gemacht worden sind und bisher eher "Vitamin B" in Kungelrungen hinter verschlossenen Türen, bzw. Lobbyarbeit als Überlebenstrate gie gewählt haben. Aber die Erfahrung der letzten 2 Jahrzehnte zeigt ja, dass die Abwärtsspirale so nicht wirksam aufzuhalten ist udn alle sich langsam selbst zerfleischen.
Hier wird formuliert (vgl. S.XXIIf.):
“The tenets for radical action: First we have to break with the professional doctrine that the institutions in which social workers are employed have benign motives: that the purpose of welfare agencies is to provide health care for the sick; that the purpose of welfare agencies is to provide assistance for the impoverished (…).
Once freed from a belief in the benign character of the social agencies, we can free ourselves from a second item of doctrine that follows logically enough – that what is good for the agency is good for the client, that the interests of the agency and the interests of the client are basically identical.”
Eine Tendenz die sich möglicherweise mit der “Neoliberalisie rung” der Sozialen Arbeit verstärkt hat, da Wohlfahrtverbän de zunehmend gewinnorientier t handeln und z.T. Kapitalakkumula tion als ihr (Haupt-)Ziel formulieren (vgl. hierzu z.B. Veröffentlichun gen von Prof. Norbert Wohlfahrt). Dies bedeutet nicht, dass dies auf jeden Träger Sozialer Arbeit zutreffen muss und z.B. Leitbilder grundsätzlich keine Rolle spielen, eine Tendenz ist jedoch klar erkennbar.
Etwas weniger scharf benannt wird die Problematik auch von Lothar Böhnisch: "Sie (die Wohlfahrtsverbä nde) stehen heute schon am Scheideweg zwischen einer sozialpolitisch en Organisation, die Öffentlichkeit verlangt und soziale Konflikte aufnehmen kann und einer binnenzentriert en markt- und betriebswirtsch aftlcihen Profilierung, die Öffentlichkeit und gesellschaftlic he Konfliktaustrag ung eher ausschließt und sich im Lobbyismus erschöpft (vgl. Sozial Extra, 1/2 2012, S.47 Springer VS Verlag). entnommen von: http://www.aks-muenchen.de/?p=316